
Eva Amiryan: Ausdruck in jedem Strich
Eva Amiryan
Künstlerin
Die Leute fragen mich immer: «Wann hast du mit dem Malen angefangen?» Und ich weiss nie, wie ich diese Frage beantworten soll, weil ich mich nicht an eine Zeit in meinem Leben erinnern kann, in der ich nicht gemalt habe. Egal was passierte, unser Zuhause war immer mit Leinwänden, Pinseln und Farben ausgestattet. Ich habe nie bemerkt, dass das in anderen Haushalten nicht die Norm war und dass es das Ergebnis meines Interesses und der Bereitschaft meiner Eltern war, dieses Interesse zu fördern. Das Malen fühlte sich einfach immer richtig an. Es ist das Einzige, was mir instinktiv und intuitiv leichtfällt. In allen anderen Bereichen habe ich eher eine schlechte Intuition. Malen ist für mich eine Form der Meditation, eine Möglichkeit, meine ganze Energie auf einen Punkt zu konzentrieren.
Seit September 2025 studiere ich Fine Arts an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), was mir durch die Fritz Gerber Stiftung ermöglicht wurde. Ihre Unterstützung ist unglaublich und ich bin sehr dankbar dafür.
Der Studiengang Fine Arts bietet volle kreative Freiheit, um die Ziele der eigenen gestalterischen Praxis zu erreichen. Das Fachwissen der renommierten Dozierenden hilft einem dabei, sich weiterzuentwickeln, und die Hochschule bietet alles, was man sich in Bezug auf die Infrastruktur vorstellen kann, um die eigenen Ideen umzusetzen.
Mitte Dezember 2025 haben wir unsere Arbeiten aus dem ersten Semester ausgestellt. Zuvor hatte ich meine Arbeiten bereits im Gymnasium Oberwil ausgestellt, wo ich auch den Schwerpunkt Bildnerisches Gestalten hatte, sowie an der regionalen Ausstellung «Kunst in Reinach». Ich liebe es, meine Bilder zu zeigen und mit anderen darüber ins Gespräch zu kommen. Es ist mir sehr wichtig, dass meine Kunst die Menschen anspricht. So sehr ich das auch möchte, ich gehöre nicht zu den Künstler*innen, denen es egal ist, was die Leute denken. Menschen mit meiner Kunst zu berühren, ist einer der wichtigsten Gründe, warum ich sie ausübe.
In der Semesterausstellung stellte ich eine Reihe von Werken mit dem Thema «Hunger» aus: fünf Gemälde, alle in Acryl und Ölpastell auf Leinwand gemalt, jede Leinwand 80 cm x 80 cm gross. Meine Werke waren stark von religiösen Themen und Bildern beeinflusst. Ich verbinde meine Arbeit gerne mit einer theoretischen Ebene. In der Reihe «Hunger» ging es mir um das Gefühl des spirituellen Hungers und das Verlangen, an etwas glauben zu können. Die Arbeiten standen der Religion nicht unbedingt positiv gegenüber, es ging aber eher um eine Eifersucht. Das Thema «Hunger» versuchte ich auch durch abgemagerte Figuren darzustellen.
Ich male sehr gerne expressiv. Mir ist es wichtig, ästhetische Gestaltung und emotionalen Ausdruck miteinander zu verbinden und beiden Raum zu geben. Besonders gerne porträtiere ich Menschen, denn in ihren Gesichtern finde ich die stärkste Ausdruckskraft. Farben spielen dabei für mich eine zentrale Rolle. Die Farbgebung ist das wichtigste Element meiner Kunst.
Ich habe nicht vor, mich von der klassischen Malerei zu verabschieden. Ich möchte mir lieber andere Techniken wie Aquarell- oder Ölmalerei besser aneignen und weiter mit Themen und Formen experimentieren.
Wie die meisten anderen Kunststudent*innen wäre ich gerne freischaffende Künstlerin. Und so bin ich sehr gespannt, was mich noch alles in der Zukunft erwartet.
Eva Amiryan
Dezember 2025
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